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09.02.2010
DFB-Pressekonferenz in Frankfurt: "Was sind wir nur für Hornochsen!"
Jogi Löw, Theo Zwanziger (M.) und Oliver Bierhoff: Die DFB-Spitze vor der Pressekonferenz

Friedensgipfel in Frankfurt: DFB-Boss Theo Zwanziger hat Joachim Löw und Oliver Bierhoff zur Pressekonferenz geladen. Ergebnis: Alle schlagen sich geschlossen an die Brust, räumen jeweils eigene Fehler ein und bedauern die Entwicklung der letzten Tage. Ab sofort gelte die volle Konzentration der WM, weitere Gespräche sind auf Eis gelegt. Es bleibt eine spürbare Distanz zwischen Bierhoff und dem Verband.

Der Schulterschluss ist vollzogen, die Zweifel bleiben: Bei einem "Friedensgipfel" in Frankfurt/Main haben DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw sowie Teammanager Oliver Bierhoff am Dienstag ihren seit einigen Tagen in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streit offiziell beendet.

Ob vier Monate vor dem Start der WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) aber wieder Ruhe im Umfeld der deutschen Nationalmannschaft einkehrt, scheint nach der Eskalation der vergangenen Tage fraglich - zumal die Zukunft von Löw und Bierhoff auch weiterhin erst nach der WM geklärt werden soll.

Das Verhältnis hat gelitten

"Wir haben eine klare Linie gefunden. Alle diese Dinge dürfen uns nicht bis zur WM begleiten. Wir sind uns alle einig, dass unser gesamtes Interesse der Vorbereitung auf die WM ausgerichtet sein soll. Es wird keine Zugabe geben", sagte Löw.

Der Bundestrainer versicherte, dass alle Missverständnisse in "langen, intensiven und vor allem vertraulichen Gesprächen" aus der Welt geschaffen wurden und man "gemeinsam und vollkommen harmonisch" den Fokus Richtung Südafrika lenken werde.

Zwanziger räumte aber immerhin ein, dass das freundschaftliche Verhältnis gelitten habe. "Wir sind alle nur Menschen. Nach den Vorkommnissen der vergangenen Tage kann morgen nicht wieder alles so wie gestern sein. Die Vergangenheit war ausgezeichnet, aber dieses gute Verhältnis ist in den vergangenen Tagen beschädigt worden. Die Balance war in Unordnung geraten, das Vertrauensverhältnis war angekratzt. Nun müssen wir an dem Vertrauensverhältnis arbeiten", sagte der Verbandschef und kündigte an: "Ich werden meinen Teil dazu beitragen."

Bierhoff: "Es tut mir leid"

Dies versprachen auch Löw und vor allem Bierhoff, der wegen seiner Verhandlungsführung stark in die Kritik und vor allem beim Präsidenten in Ungnade gefallen war. "Ich bedauere es sehr, dass es zu so einer Situation gekommen ist. Mir ist deutlich geworden, dass die Art und Weise unserer Präsentation beim Präsidenten und auch beim Generalsekretär der falsche Weg war. Ich habe mich vor allem bei Dr. Zwanziger entschuldigt, dass ich seine Gefühle verletzt habe, das tut mir leid. Aber nach den Gesprächen mit Dr. Zwanziger und Wolfgang Niersbach bin ich mir sicher, dass wir wieder harmonisch zusammenarbeiten können", sagte der frühere DFB-Kapitän.

Bierhoff verwies aber auch noch einmal darauf, dass die in die Öffentlichkeit kolportierten Forderungen vor allem hinsichtlich seiner Person "nicht korrekt dargestellt worden sind und teilweise sogar ganz falsch sind".

"Was waren wir für Hornochsen!"

Eine Mitschuld am Chaos der vergangenen Tage gab sich auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. "Keine Frage, wir hatten Stress. Ich kreide mir an, dass ich es versäumt habe, nach dem 14. Januar den Weg der Kommunikation zu suchen. Das Ganze hat sich dann so entwickelt wir es alle nicht wollten", sagte der frühere Pressesprecher und meinte selbstironisch: "Was waren wir für Hornochsen, dass wir eine solche Diskussion in der Öffentlichkeit zugelassen haben."

Für den DFB-General ist nach dem reinigendem Gewitter aber auch klar: "Deckel drauf, die Chose ist vorbei."

Zwanziger: Löw ist nicht austauschbar

Zwanziger brach zudem eine Lanze für Löw, über dessen Vertragsverlängerung trotz aller Wertschätzung aber, wie Ende vergangener Woche beschlossen, erst nach der WM verhandelt werde. "Dieser Erfolg bei der WM, so schwer er auch wird, ist nur mit diesem Trainer zu machen. Präsident, Generalsekretär und Manager sind austauschbar, der Trainer aber nicht."

Der Präsident, der eigene Fehler eingestand und vor allem das 48-Stunden-Ultimatum vergangene Woche an Löw im Nachhinein als "sehr unglücklich" bezeichnete, will Löw und sein Team Richtung WM nun weiter vorbehaltlos unterstützen.

"Das sind wir Millionen deutschen Fans schuldig. Darüber müssen Meinungsverschiedenheiten über Vertragsfragen zurückstehen." Darüber hinaus betonte Zwanziger, dass es nie seine Absicht war, Löw und auch Bierhoff gegenüber respektlos zu sein.

Distanz zu Bierhoff bleibt

Die Distanz zu Bierhoff, der Zwanziger beim DFB installiert hatte, war aber trotz aller Annährung nach wie vor spürbar. "Ich habe ihn immer gewollt, auch in dieser Position gewollt. Wir brauchten auf dieser Basis früher nie Gespräche. Als ich dann sah, was auf uns zukommt, war ich erschrocken. Ich habe die Verträge gesehen und gesagt: 'Was soll das denn jetzt? Das geht ja wohl gar nicht.'"

Löw machte noch einmal deutlich, dass er auch in Zukunft mit Bierhoff zusammenarbeiten wolle. Klar sei aber, dass man erst nach dem Turnier in Südafrika über die Zukunft reden werde. Zugleich versicherte er: "Für mich ist es kein Problem, ohne einen neuen Vertrag in die WM zu gehen. Ich freue mich auf das Turnier und kann versprechen, dass unsere Mannschaft topvorbereitet zur WM fahren und dort eine gute Rolle spielen wird."

Kein "Maulwurf-Experte" für den DFB

Unterdessen hat Karl-Heinz Rummenigge die Vorgehensweise des DFB scharf kritisiert. "Der DFB hat gravierende Fehler gemacht - den größten, indem man Vertragsinhalte nach außen gebracht hat", sagte der Vorstands-Boss des deutschen Rekordmeisters Bayern München und fügte hinzu: "Der DFB hat da offenbar ein Maulwurfproblem."

Niersbach meinte dazu: "Es hat uns auch irritiert, dass Interna in die Öffentlichkeit gekommen sind. Wir haben uns auch in der Vergangenheit schon mal gefragt, ob wir einen Maulwurf-Experten beschäftigen sollen, aber das haben wir verworfen."

14.34 Uhr: So, das war's, die Herren verlassen das Podium. Fazit: In der Sache hat sich wenig getan. Aber beide Seiten versuchen, gutes Wetter zu machen. Offenbar waren alle überrascht über die heftigen öffentlichen Reaktionen. Entsprechend haben sich alle an die eigene Nase gefasst und Fehler eingestanden. Klar ist aber auch, das war gerade bei den Aussagen von Zwanziger deutlich zu spüren: Das Vertrauensverhältnis ist belastet, Zwanziger ist persönlich verletzt vom forschen Auftreten von Bierhoff. Unterm Strich haben sich aber alle geeinigt: Volle Konzentration gilt nun der WM.

14.33 Uhr: Niersbach erklärt noch, dass es Überlegungen gab, sich intensiv auf die Suche nach dem Maulwurf zu machen, der die Interna in die Medien brachte. Aber auch dieses Thema ist offenbar erledigt: "'Leider sind in diesem Fall Indiskretionen nach außen gedrungen, aber wir werden da nicht weiter nachforschen. Es wird keinen Maulwurf-Beauftragten geben. Wir machen den Deckel drauf."

14.29 Uhr: Bierhoff zieht noch einmal ein Fazit und erklärt, dass vieles in erster Linie ein Missverständnis war. Das Ultimatum von Zwanziger war gar keins - und Bierhoff hat gelernt: "Bei den nächsten Vertragsverhandlungen werde ich sicher nicht gleich mit einem ausgearbeiteten Papier auftauchen. Gerade wenn man so ein Verhältnis hat wie wir hier, muss man da vielleicht gleich darüber persönlich sprechen."

14.25 Uhr: Löw will keine Fragen zu seiner Zukunft nach der WM beantworten. Aber: "Ich bin selbstbewusst genug, um zu sagen: 'Ob mit oder ohne Vertragsverlängerung - ich bin sicher, dass ich meine Mannschaft optimal vorbereiten werde.' Ich kann mit der Situation, die wir heute geschaffen haben, sehr gut leben."

14.22 Uhr: Zwanziger bestätigt, dass es bis nach der WM keine weiteren Gespräche geben wird: "Wenn ein gut gemeintes Projekt mal so in die Hosen geht, muss man vielleicht auch mal Zeit vergehen lassen."

14.20 Uhr: Zwanziger erzählt, wie er die Vertragsangebote, die ihm Bierhoff übergeben hatte, empfunden hat. Es habe darin ein "Ungleichgewicht" gegeben. Heißt vermutlich: Bierhoff hat wohl tatsächlich eine Art Ausgliederung der Nationalmannschaft gefordert. Zwanziger versichert aber: "Ich habe Oliver Bierhoff gewollt, weil wir ein Gesicht brauchen. Wir haben auf einer gemeinsamen Basis nie Verträge gebraucht. Wir hatten ein vertrauensvolles Verhältnis, das nahe an einer Freundschaft war. Entsprechend war ich von den Entwicklungen wirklich auch emotional betroffen. Ich habe die Verträge gesehen und gesagt: 'Was soll das denn jetzt? Das geht ja wohl gar nicht.' Wir haben heute aber gesprochen. Natürlich wird nicht alles sofort wieder so sein, wie es war, aber ich sehe gute Chancen, das Verhältnis wieder aufzubauen."

14.14 Uhr: Und jetzt spricht Theo Zwanziger: "Die Sache ist sehr ernst. Es geht um die Vorbereitung für die WM. Auch wenn es gravierende Meinungsverschiedenheiten gab, müssen wir die nun zurückstellen. Keiner der hier Anwesenden hat das Recht der Öffentlichkeit so ein Szenario zu präsentieren." Und jetzt kommt's: "Diese Mannschaft braucht den Trainer. Sie braucht Jogi Löw. Alle, die hier sitzen, sind irgendwie auswechselbar, aber der Erfolg ist nur mit diesem Trainer möglich, das war immer schon meine Meinung."

14.11 Uhr: Nun spricht Niersbach: Er bedauert, dass sich die Beteiligten erst so spät ausgesprochen haben: "Ich habe mit Jogi Löw gesprochen und gesagt: 'Was sind wir nur für Hornochsen, dass wir so eine Diskussion in der Öffentlichkeit zulassen. Dass wir als feindliche Parteien abgebildet werden." Niersbach erklärt, dass das kolportierte "Ultimatum" in Wirklichkeit nur ein "Vertragsangebot" war. Auch hier bedauert er Mängel in der Kommunikation: "Das ist unglücklich gelaufen, dass das die andere Seite als Ultimatum auffasst."

14.08 Uhr: Jetzt ist Oliver Bierhoff an der Reihe. Er fragt sich, was falsch gelaufen ist. Er bedauert, dass das Vertrauensverhältnis der letzten Jahre und belastet ist: "Ich habe mit Theo Zwanziger gesprochen und mich entschuldigt. Aber ich hatte eigentlich eine gute Intention. Trotzdem tut es mir leid, dass ich seine Gefühle verletzt habe. Das hätte so nicht kommen müssen. Damit ist die Sache nun aber auch abgehakt. Wir haben eine Mission, der jetzt unsere volle Konzentration gilt. Auch nach einem Streit sollte man sich zurück erinnern, was man geleistet hat - und in der täglichen Arbeit wieder das Vertrauen aufzubauen."

14.02 Uhr: So, die Herren sind da. Jogi Löw macht gleich den Anfang: "Wir haben gestern lange, intensive und vertrauensvolle Gespräche geführt - und wir haben eine klare Linie gefunden, bis zur WM: Alle Dinge, alle Missverständnisse sind aus dem Weg geräumt. Diese Dinge dürfen und werden uns nicht bis zur WM begleiten. Es wird da auch keine Zugabe mehr geben. Wir sind uns einig, dass unser gesamtes Interesse nun der WM gilt. Wir haben eine unglaublich hohe Verantwortung, weil wir das Land Deutschland vertreten. Wir werden alles tun - und ich bin mir sicher, dass wir ein gutes Turnier spielen."

13.03 Uhr: Der ungewohnt raue Ton in der einstigen Wohlfühloase des DFB - der sonst so penibel jede Aussage prüft, bevor sie an die Medienvertreter geht - führt mittlerweile zu düsteren Szenarien im Boulevard: Selbst ein Rücktritt des Trainergespanns noch vor der WM sei angeblich nicht mehr auszuschließen. Höchste Zeit also für eine Stellungnahme! Für 14 Uhr hat der DFB nun außerplanmäßig eine Pressekonferenz anberaumt. Mit Löw, Bierhoff, DFB-Präsident Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach haben sich alle am Streit beteiligten Personen angekündigt. Mal sehen, was sie uns zu sagen haben. Bald geht's los. Bis dahin!

12.53 Uhr: Bundestrainer Jogi Löw selbst zeigte sich indes reichlich enttäuscht vom Verlauf der letzten Tage. Zu Recht stellt er sich die Frage, wie bestimmte Dinge in die Medien gelangten, und wer damit welche Ziele verfolgt: "Was mich persönlich irritiert, ist, dass manche Dinge an die Öffentlichkeit gekommen sind, die intern am Tisch besprochen wurden. Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen."

12.50 Uhr: Eigentlich wollte sich Jogi Löw in diesen Tagen mit seinem Stab in Frankfurt auf die WM einschwören, nun hat sich die Veranstaltung plötzlich zu einem Krisengipfel entwickelt: Die Vertragsgespräche sind überraschend gescheitert, Interna sind an die Öffentlichkeit gelangt, die Stimmung ist gekippt, die Fronten haben sich verhärtet. Vor allem Teammanager Oliver Bierhoff ist durch seine Forderungen (Gehaltserhöhung, Veto-Recht bei künftigen Bundestrainern, Zusammenarbeit mit konkurrierenden Werbepartnern) mittlerweile heftig in die Kritik geraten, eine Vertragsverlängerung nach der WM gilt als sehr fraglich.
Quelle: 2010 Spox
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