Rendite für spanische Papiere bei über sieben Prozent
Kurz vor den Beratungen der Euro-Gruppe über ein Hilfsprogramm für Spanien sind die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen wieder über die kritische Marke von sieben Prozent gestiegen. Das Foto zeigt einen Bettler in Madrid. (Foto: Pedro Armestre - AFP)
Kurz vor den Beratungen der Euro-Gruppe über ein Hilfsprogramm für Spanien sind die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen wieder über die kritische Marke von sieben Prozent gestiegen. Die Rendite betrug zeitweise 7,026 Prozent. Zugleich flüchteten Anleger in deutsche und französische Anleihen und nahmen dabei sogar einen negativen Zinssatz in Kauf.
Die spanischen Renditen lagen erstmals seit dem 19. Juni wieder über der Sieben-Prozent-Schwelle. Schon ab sechs Prozent gelten Zinsen für ein Land langfristig als nicht tragbar. Spanien benötigt Unterstützung in Milliardenhöhe, um seinen angeschlagenen Bankensektor zu stützen. Die Investoren erwarteten aber keine großen Fortschritte vom heutigen Treffen der Euro-Finanzminister, sagte der Analyst Patrick Jacq von BNP Paribas zu dem neuen Renditehoch.
Investoren zahlen hingegen mittlerweile Geld dafür, dass sie dem deutschen und nun auch dem französischen Staat Geld leihen. Für sechsmonatige deutsche Staatsanleihen wurde ein negativer Zinssatz von minus 0,03 Prozent fällig, teilte die Bundesfinanzagentur mit. Im Januar hatte Deutschland erstmals einen solchen negativen Zinssatz von damals minus 0,012 Prozent erzielt. Das heißt, die Bundesrepublik muss den Anlegern für die Schuldpapiere am Ende weniger als das ausgeliehene Geld zurückzahlen.
Erstmals kam auch Frankreich, das zeitweise als nächster Wackelkandidat in der Euro-Zone beargwöhnt und mit höheren Zinsen bestraft worden war, in den Genuss eines negativen Zinssatzes. Der französische Staat nahm fast sechs Milliarden Euro über Papiere mit einer kurzen Laufzeit zwischen drei und fünfeinhalb Monaten zu einem negativen Zinssatz von 0,005 beziehungsweise 0,006 Prozent auf, wie die Finanzagentur AFT mitteilte. Damit kam Frankreich in den Kreis der für Investoren besonders vertrauenswürdigen EU-Länder, neben Deutschland sind dies etwa die Niederlande und Dänemark.
Die Euro-Gruppe will in Brüssel die Arbeit an einer Vereinbarung mit Spanien über ein Hilfsprogramm vorantreiben. Auf dem EU-Gipfel Ende Juni waren auf Druck Spaniens und Italiens direkte Bankenhilfen sowie ein Aufkauf von Staatsanleihen reformwilliger Mitgliedsländer durch die Euro-Rettungsfonds vereinbart worden. Spaniens Regierung hatte kurz vor dem Gipfel zudem offiziell Finanzhilfen der Euro-Zone für die angeschlagenen Banken des Landes beantragt. Madrid wurden bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.