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15.07.2012
Kronzeugenregelung für Deutsche Bank in Libor-Zinsaffäre
Die Deutsche Bank kommt in der Libor-Affäre um manipulierte Zinssätze offenbar in den Genuss der Kronzeugenregelung und kann damit Bilanzschäden minimieren. Die Bank habe die Regelung bei der EU-Kommission sowie in der Schweiz schon 2011 beantragt und nun kürzlich erlangt, berichtete der "Spiegel". (Foto: Daniel Roland - AFP/Archiv)

Die Deutsche Bank kommt in der Libor-Affäre um manipulierte Zinssätze offenbar in den Genuss der Kronzeugenregelung und kann damit Bilanzschäden minimieren. Die Bank habe die Regelung bei der EU-Kommission sowie in der Schweiz schon 2011 beantragt und nun kürzlich erlangt, berichtete der "Spiegel" vorab aus seiner neuen Ausgabe.

Die Deutsche Bank wird demnach neben rund 20 anderen Finanzkonzernen verdächtigt, zwischen 2005 und 2011 den Zinssatz für den Interbankenhandel durch falsche Angaben beeinflusst zu haben. Ende Juni hatten mehrere Aufsichtsbehörden der britischen Bank Barclays wegen Manipulation fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe abverlangt. Die Deutsche Bank hoffe, billiger wegzukommen, wenn sie den Ermittlern helfe, berichtete das Magazin. Das Institut wollte sich laut "Spiegel" nicht dazu äußern.

Seit Behörden in mehreren Ländern ermitteln, setzte 2011 ein Wettlauf der Banken um Immunität ein. Laut einer Studie von Morgan Stanley müssen die verdächtigten Banken Strafen und Schadensersatzforderungen von insgesamt 22 Milliarden Dollar fürchten.

Im Skandal um Zinsmanipulationen bereitet das US-Justizministerium einem Zeitungsbericht zufolge unterdessen Strafverfahren gegen mehrere Banken und Händler vor. Mindestens gegen eine Bank solle bis zum Jahresende eine Klage eingereicht werden, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter. Strafverfahren würden nicht nur gegen Banken, sondern auch gegen Händler angestrengt, zum Beispiel von der im Zentrum der Affäre stehenden Bank Barclays.

In dem kürzlich bekannt gewordenen Skandal geht es um die Manipulation des britischen Zinssatzes Libor, zu dem in Großbritannien Banken anderen Instituten Geld leihen, und des europäischen Interbanken-Zinses Euribor. Beide Zinssätze sind aber nicht nur für Geschäfte zwischen Banken von großer Bedeutung. Indirekt haben Manipulationen auch Einfluss auf Kredite und Spareinlagen, weil deren Zinssätze teils vom Libor und Euribor abhängig oder direkt daran gekoppelt sind.
Quelle: 2012 AFP
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