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09.02.2010
Iran: Nächster Schritt zur Bombe?
Irans Startschuss für ein Hochschrauben der Urananreicherung hat im Westen aufkeimende Hoffnungen auf ein verbessertes Verhältnis zu dem islamischen Land zerstört.

Wien (dpa) - Wechselduschen aus Teheran: Irans Startschuss für ein Hochschrauben der Urananreicherung hat im Westen aufkeimende Hoffnungen auf ein verbessertes Verhältnis zu dem islamischen Land zerstört.

Stattdessen verhärten sich die Fronten weiter, neue Sanktionen sind sehr wahrscheinlich, und die Angst vor einer militärischen Eskalation des Konfliktes steigt. Denn die Weltmächte können sich das iranische Verwirrspiel nach Ansicht von Beobachtern nicht weiter bieten lassen, um dem Land nicht blauäugig bei dem Bau von Atomwaffen zuzusehen. Experten halten zwar die angekündigten zehn neuen Urananreicherungsanlagen für utopisch. Die Urananreicherung auf eine höhere Stufe von 20 Prozent sei dafür aber so realistisch wie gefährlich.

Das Land überwinde damit eine technische Hürde, was sehr hilfreich für den Bau von Atomwaffen sei, sagt James Acton von der renommierten Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden (Carnegie Endowment for International Peace) in Washington. «Es geht ganz klar um den Bau einer Bombe», so der Physiker und Atomexperte Acton. Eine Anreicherung von 20-prozentigem Uran auf Waffenfähigkeit ist für den Chef der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Harald Müller, nur noch ein «sehr kleiner Schritt». Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, der dies bisher erfolglos zu verhindern versuchte, sei damit bloßgestellt.

Auch die internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien zeigte sich besorgt. Ihre momentan zufällig in Natans anwesenden Inspektoren können die Urananreicherung auf einen höheren Prozentsatz als bisher nicht stoppen. Dazu haben die Atomwächter keine Befugnisse, außerdem verstößt der Iran damit nicht formal gegen geltende Abkommen.

Vor ein paar Tagen sah die Lage noch völlig anders aus: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte an, womöglich doch niedrig angereichertes Uran zur weiteren Anreicherung ins Ausland zu geben. Dies wurde als «Kehrtwende» im Atomstreit gewertet - die Weltmächte reagierten verhalten, aber doch hoffungsvoll. «Viele wollen einfach einen Hoffnungsschimmer sehen», analysiert ein westlicher Diplomat in Wien. Bei diesem Optimismus um jeden Preis könne vielleicht zu viel in die Aussagen des Präsidenten hineininterpretiert worden sein.

Denn die Alternative zu einer Annäherung ist äußerst ernüchternd. Man habe den Eindruck, dass die gegenwärtige Führung des Iran gleichzeitig Kernwaffen und eine Konfrontation anstrebe, so Müller. «Leider ist schwer abzusehen, wie dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann, solange Ahmadinedschad und seine Entourage am Ruder sind und vom Revolutionsführer gestützt werden.»

Der Atomdeal ist sicher vom Tisch - auch wenn das bisher kein Land so ausgesprochen hat. Stattdessen drohen die USA, Frankreich und Deutschland mit weiteren Sanktionen, die laut amerikanischem Außenministerium auch nur eine Frage von Wochen sein können. Russland warnt bereits vor einem Krieg und räumt erstmals Zweifel am iranischen Atomprogramm ein. Bleibt noch Irans Erzfeind Israel: «Wenn der israelische Geheimdienst zu dem Schluss kommt, dass die Iraner unmittelbar vor der Produktion einer Kernwaffe stehen, wird es höchstwahrscheinlich den Versuch geben, diese Option mit militärischen Mitteln zu schließen», sagt Müller.
Quelle: dpa-info.com GmbH
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